Fahrbericht Yamaha Fazer 8 ABS
Stand: 02/2011

Text: Ralf Kistner
Fotos: Ralf Kistner, M. Kätker


Wer Fazer hört, denkt an Scotti und seine Weltraumabenteuer – oder an die erfolgreichen Modelle aus dem Hause Yamaha. Letztere kamen zuerst mit 600 ccm auf den Markt. Diese Serie wurde immer wieder optimiert, eine 1000er Schwester erweiterte die Fazer-Familie.

Nun kommt die 8 ins Spiel. Mit exakt 779 ccm bestückt steht sie vor mir mit der Modellbezeichnung Fazer 8 ABS. Fazer, weil sie eine Lenkerhalbschale als Windschutz bietet. Ohne den Wetterschutz hieße sie als Nakedbike einfach FZ8.

Die Fazer 8 ABS soll als kostengünstiges Model die sportlichere Mittelklasse bereichern - viel Motorrad für wenig Geld könnte das Motto der Entwickler gewesen sein.

Meine Testmaschine bekomme ich von Werner Schindel von der Fa. Bike und Motorwelt in Monheim bereitgestellt. Sie kann dort wie viele andere Yamahamodelle, Quads, Fahrräder, Elektro-Fahrräder und vieles mehr besichtigt und Probe gefahren werden.

Ich laufe um die Maschine. Sie steht auf dem Seitenständer. Ein Hauptständer gehört zum Zubehörprogramm. In Deutschland wird die Fazer 8 ABS ausschließlich mit ABS angeboten. Kein Nachteil, wie ich finde. Ich sehe, dass sich das Federbein lediglich in der Vorspannung einstellen lässt. Auch die Upside-Down-Gabel ist nicht einstellbar. Der Endtopf wirkt im Aussehen einfach und nicht zur wertigen Gesamterscheinung passend.
Ihr Aussehen passt sich an die der 1000 er Fazer an, zeigt leichte Ähnlichkeiten zur 600er Schwester FZ6. Die Halbschale verspricht einen angenehmen Windschutz.

Die Maschine läuft mit leicht erhöhter Leerlaufdrehzahl warm. Seidig, unauffällig zurückhaltend im Sound säuselt der 4-Zylinder vor sich absolut gleichmäßig hin. Er stammt im Kern aus der größeren Schwester FZ1. Man verringerte den Hub bei gleicher Bohrung für die Hubraumreduzierung. Ein überarbeiteter Zylinderkopf mit 4 Ventilen (statt 5 in der 1000er) soll den Gasdurchsatz optimieren, ein um 2,5 kg leichterer Kurbeltrieb soll dem 800er Motor das Hochdrehen erleichtern. Die Yamaha-typische drehmomentfördernde Exup-Walze im Auspufftrakt fehlt hier.

Ich sitze auf und freu mich über eine durchaus passende Ergonomie. Die Hände greifen eine angenehm breiten Lenker, ich sitze aufrecht, die Kniewinkel fallen fast touristisch aus. Schön der schmale Übergang von Sitzpolster zum Tank. So hab ich einen sehr guten Knieschluss am Tank. Kurzum – ich fühle mich auf der Fazer 8 ABS richtig wohl. Eine gute Voraussetzung für die anstehenden Testfahrten.

Es ist schon am Dämmern, Herbstdüfte liegen in der Luft. Die Temperaturen fallen empfindlich unter 10°C auf der Heimfahrt. Schnell schalte ich mich durch die 6 Gänge durch und halte touristisches Landstraßentempo. Sanft vibrierend trägt mich die Fazer durch eine wunderbare Landschaft. Ich gleite über den Frankenjura Richtung Dillinger Donau. Der Windschutz funktioniert prima. Ich fühle mich gut geschützt. Lediglich einige feine Verwirbelungen weisen auf die Verkleidungsscheibe hin. Das Fahrwerk scheint alles wegzubügeln, wirkt sehr komfortabel. Das werde ich morgen genauer testen.

Der nächste Morgen. Fahrfotos sind angesagt. An der Location wartet bereits meine Fotografin. Ich fahre die Reifen warm, denn es ist herbstlich frisch. Nun lass ich es knackiger angehen. Mir fällt auf, dass ich im Drehzahlbereich zwischen 4000 und 6000 U/min ein klar spürbares Leistungsloch habe. Schade, genau der Bereich, in dem ich mich sehr gerne im 6. Gang aufhalte. So ist Schaltarbeit angesagt.
Nach einigen Auf- und Abfahrten an der Fotolocation wird es nun ernst. Ich ziehe durch die Fotokurve wie gewohnt mit „meinem“ Tempo. Ab dem Scheitel der Kehre kratze ich durchgängig auf der Fußraste, obwohl ich mich noch gar nicht so schräg wähne. Die beiden nächsten Male feile ich ebenfalls den Fußrastennippel am Asphalt ab. Nochmal das Gleiche mit höherem Tempo. Mir drückt es die Fußraste um gefühlte 1 – 2 cm nach oben.
Auch auf der anderen Seite habe ich sehr schnell Bodenkontakt. Das ist nicht schlimm, nur unerwartet für eine aktuelle Fazer, konnte ich doch schon auf den 600er Fazer-Modellen um einiges schräger meine Kurven nehmen.
Trotz der Aufsetzer (auch mit dem Seitenständer) bleibt die Fazer 8 ABS spurstabil. Sie bleibt ohne Mukser absolut ruhig. Schön so.


Jetzt geht es endlich auf die Piste. Meine Teststrecken warten. Hier soll sich zeigen, ob die 8er Fazer nur schnittig aussieht oder ob sie auch schnittig gefahren werden kann.
Ich nehme engagierte Testgeschwindigkeit auf. Dabei ziehe ich die einzelnen Gänge über die 6000 U/min hinaus, um in den Leistungsbereich zu kommen. Sofort schnellt die Fazer nach vorn und zeigt mir sehr deutlich, dass sie derb spurten kann – bis zur 10000er Drehzahlmarke. Danach lässt die Spurtfreude des Vierzylinders nach.

Das eigentlich am Vortag als komfortabel empfundene Fahrwerk wirkt heute bei härterer Gangart sehr oft am Rand der Überforderung. Es ist mehr das Federbein als die USD-Gabel. Das Federbein wirkt unterdämpft. Das zeigt sich durch auffälliges Pumpen beim sportlichen Beschleunigen aus Kurven heraus. Da wird es hinten schon mal sehr unruhig. Zudem kommt es bei schneller Fahrt zum Nachfedern.
Die Federbasis auf härtester Stufe kann im Solobetrieb als ok durchgehen. Bei schnell gefahrenen tieferen Bodenwellen neigt das Federbein dennoch zum Durchschlagen. Im Soziusbetrieb wirkt es überfordert. Soll die Fazer 8 ABS als Tourenmaschine mit Koffern etc. genutzt werden, würde ich den Tausch des Federbeins gegen eines aus dem Zubehör (Wilbers, White Power, Öhlins) empfehlen. Dadurch wird das Fahrverhalten sehr sicher um einiges verbessert und es wird Ruhe ins Fahrwerk kommen. Denn mit der Fazer auf Tour zu gehen wird sehr sicher viel Spaß bereiten.

Die Gabel hingegen macht ihre Arbeit gut. Sie schluckt sehr viel an Unebenheiten weg, wirkt wesentlich stabiler als die Hinterhand und geht lediglich bei hartem Anbremsen in Bodenwellen leicht auf Block.

Sehr angenehm empfinde ich dagegen eine Sanftheit in allen Bedienelementen. So kann die Kupplung sehr sanft dosiert werden. Ebenso die Bremsen sind sanft dosierbar, können jedoch auch brachial für satte Verzögerungen sorgen. Dabei regelt das ABS erfreulich spät ab und überzeugt mich durch sehr kurze Regelintervalle. Das versprüht ein Gefühl von Sicherheit auch bei der zügigen Landstraßenhatz.
Ebenso verhält sie sich beim Handling. Ich kann sie mit einfachen Lenkimpulsen wunderbar in Schräglage bringen. Bei hohem Tempo verlangt sie zum Kurvenfahren mehr Nachdruck und wirkt dabei sehr spurstabil.

Sehr sanft geht die Fazer ans Gas, zeigt erfreulich wenig Lastwechselreaktionen und hängt gut am Gas. Den o.g. Leistungshänger zwischen 4000 - 6000 U/min kann ich einfach durch Runterschalten überwinden. So finde ich in der Fazer 8 ABS ein spurtfreudiges Aggregat, das von sanft bis spritzig alle Gangarten beherrscht.

Fazit:
Sie ist schön anzusehen, wirkt sehr gut verarbeitet und ist an sich ein richtig gutes Motorrad. Die Yamaha Fazer 8 ABS kann als alltägliches Brot- und Buttermotorrad für sehr viele Einsatzzwecke herhalten. Sehr angenehme Sitzposition trifft guten Windschutz und geniale Alltagstauglichkeit, Die Fazer 8 ABS stellt ein durch und durch den Markt im Segment der Low-Budget-Motorräder bereicherndes Top Bike dar.